Fivian

 Jeder Mensch trägt seinen Namen. Er wurde ihm gegeben, und nur wenige sind es, die sich

«einen Namen gemacht haben».

Das war schon immer so, und wird es auch bleiben.

Wer hat nicht schon über seinen Namen nachgedacht! Jedes Kind macht sich früher oder

später Gedanken darüber. Die meisten Kinder sind glücklicherweise mit dem Vornamen zufrieden,

den die Eltern für sie ausgewählt haben – nach Klang, Bedeutung oder Tradition. Es

ist aber auch möglich, dass das Kind unzufrieden ist mit seinem Namen, es möchte anders

heissen und kann die Wahl seiner Eltern nicht begreifen. Ganz anders steht es mit dem Familiennamen.

An ihm gibt es nichts zu rütteln und zu deuteln. Seit Jahrhunderten ist er derselbe

geblieben – er wird vererbt von Geschlecht zu Geschlecht. Der Grossvater, der Urgrossvater

hat so geheissen; aber merkwürdig rasch verschwindet die Ahnenreihe im Dunkel der

Vergangenheit, und das eigene Schauen muss ersetzt werden durch Bilder, Schriftstücke,

durch historische Dokumente.

Im Allgemeinen haben die Leute wenig Sinn für solche Dokumente. Was ein gewisses Alter

erreicht hat, was bedeutungslos geworden ist, wird als erledigt abgeschrieben und entfernt,

und wenn ein Familienmitglied mit grosser Liebe und Ehrfurcht einiges aufbewahrt, das einem

Nachkommen sehr wertvoll sein könnte, wird es sowieso nach seinem Tode verbrannt.

So sind die «Zeugen alter Zeit» bei den meisten Familien ausserordentlich spärlich, während

sie bei den bedeutenden Geschlechtern mit grosser Tradition sorgsam gehegt und von Generation

zu Generation weitergegeben werden.

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